Verwechselung Eugynon/Enzynorm

16.11.1968 13:25

„Am 25. Januar 1967 legte die Bahnwärtersfrau Ursula Knack, 27, in der Königlich-privilegierten Apotheke von 1740 zu Kellinghusen […] ein Rezept vor.“ Ihr Hausarzt „hatte der fünffachen Mutter die Antibabypille ‚Eugynon‘ verordnet. 68 Tage lang nahm Frau Ursula die Pille.“ Dann war sie erneut schwanger. Die Verwunderung darüber „wich erst, als Frau Knack dem Mediziner die leere Packung des Präparates brachte, das ihr Pharmazeut Hans G. Behrmann in der […] Apotheke verkauft hatte: Die Bahnwärtersgattin hatte nicht ‚Eugynon‘-Antibabypillen geschluckt, sondern insgesamt 200 ‚Bohnen‘ des verdauungsfördernden Mittels ‚Enzynorm‘.“

Nach neuerlichem Blick auf das Rezept gestand Apotheker Behrmann ein: „Ich habe daraus Enzynorm gelesen.“ Nach der Geburt „verklagten die Eheleute den Besitzer der Königlich-privilegierten Apotheke, Dr. Hans Reimer, vor dem Landgericht Itzehoe auf Schadenersatz“. Ihr Anwalt forderte Unterhaltsleistungen bis zum 18. Lebensjahr des Kindes. Der Anwalt des Apothekers argumentierte, dass ein Kind kein Schadensfall, sondern ein freudiges Ereignis sei, das den materiellen Schaden ausgleiche. „Allenfalls sei ein Schmerzensgeld für die erlittene Schwangerschaft in Erwägung zu ziehen.“

Die Richter erkannten die ungewollte Geburt als Schadensfall an, „und verkündeten: Der Apotheker habe einen Schaden verursacht, der in Unterhaltskosten besteht.“ Apothekeninhaber Reimer wurde jedoch nur zum hälftigen Unterhalt verurteilt, „weil Ehefrau Ursula ihre allgemeine Pflicht versäumt habe, das zu prüfen, was sie gekauft hat.“

Der Spiegel, Ausgabe 48/1968

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